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Torsten Wolf

Ursachen für fehlende Rechtschreibkompetenzen erkennen – Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primarstufe nachhaltig stärken

Zum Antrag der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 7/796

 

Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, es ist mir schon eine richtige Freude, dass wir jetzt mal wirklich zu einem bildungspolitischen Antrag kommen. Kollege Reinhardt hat es vorhin treffend formuliert: Die Pandemie nervt. Wir diskutieren heute einen Antrag, der sich damit beschäftigt, wie wir evidenzbasiert Bildungspolitik betreiben und nicht, wie wir es auch schon zu diesem Thema hier im Hohen Haus hatten, ideologiegetrieben. Das will ich als Erstes voranstellen.

 

Es geht also darum, dass wir mit diesem Antrag und der damit verbundenen Methode die passende Methode für jedes Kind untersuchen wollen, und zwar für jedes Kind in dem entsprechenden Tempo. Als Erstes möchte ich aber unseren Grundschulpädagoginnen und Grundschulpädagogen ein herzliches Danke sagen für Ihre gute Arbeit.

 

(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

Unsere Grundschulpädagogen wissen am besten, was ihre Schülerinnen und Schüler brauchen, deshalb ist für uns, für meine Fraktion, die Methodenfreiheit und die eigene pädagogische Verantwortung an unseren Schulen ein hohes Gut, was wir schützen wollen.

 

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

Warum sage ich das? Weil es eben hier eine Fraktion in diesem Haus gibt, die diese Methodenfreiheit infrage stellt. Immer wieder wird versucht, die Methode „Lesen durch Schreiben“ von Dr. Jürgen Reichen zu thematisieren, und zwar so zu thematisieren, dass sie schlechtgemacht wird, dass die positiven Entwicklungen, die mit dieser Methode auch verbunden sind, nicht in den Blick genommen werden. Dem stellen wir uns entgegen. Wir wollen genauer hinschauen und wissen, was in Thüringen passiert, und zwar in Thüringen, wo unsere Lehrpläne gelten, und nicht irgendwo. Deswegen haben wir uns bereits in der letzten Legislatur ausgiebig mit dem Thema beschäftigt. Schon im Oktober 2017 hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zum IQB-Bildungstrend 2016 im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport aus eigenem Antrieb heraus berichtet und den Ausschussmitgliedern des Ausschusses den gesamten Bericht zur Verfügung gestellt. Das war der Ausgangspunkt der damaligen Debatte. Zudem ist das TMBJS den Nachfragen und Bitten der Ausschussmitglieder nachgekommen. So wurde nach Fertigstellung einer quantitativen Erhebung über die Verwendung von Lehrwerken zum Schriftschreiberwerb, die wir als Ausschuss auch erbeten hatten, wiederum dem Ausschuss im Mai 2018 ein vollumfänglicher Bericht zur Verfügung gestellt. Im Dezember 2018 konnte Minister Holter wiederum auf diesen Bericht verweisen und somit im Ausschuss eine abschließende Berichterstattung stattfinden. Darüber hinaus stellte uns das TMBJS, wie gewünscht, eine schulamtsscharfe Übersicht über die genutzten Fibeln und andere Lehrwerke zur Verfügung.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben es heute schon gehört, das Abschneiden in der IQB-Studie kann uns nicht befriedigen. Das ist natürlich, wie ich eben schon erläutert habe, auch Ausgangspunkt von Diskussionen unter uns Bildungspolitikern, aber es gibt uns eben auch etwas auf. Es gibt uns auf, was wir als rot-rot-grüne Koalition in dem Antrag verfasst haben, und zwar sind wir der Meinung, dass wir weitere Studien brauchen, und zwar eine bundesweite Studie, eine Vergleichsstudie, um Zusammenhänge von angewandten Methoden und Erfolgen beim Schriftschreiberwerb tatsächlich aufzeigen zu können. Bisher gab und gibt es nämlich nur kleinere, regionale Studien. Aussagen für Thüringen können nicht wirklich qualitativ getroffen werden. Aber wir wollen auch in Thüringen schauen, welche Faktoren darüber hinaus begünstigend oder eben auch benachteiligend wirken, denn für uns als Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker steht doch das Kind im Mittelpunkt. Für das Kind muss die Methode stimmen. Wir wollen dann auch die entsprechenden fachlichen Konsequenzen ziehen können, auch bezogen auf die Lehrwerke. Dazu möchten wir eine eigene Studie in Auftrag geben.

 

Ebenso möchten wir den Blick auf die Aus-, Fort- und Weiterbildung unserer Pädagoginnen und Pädagogen bei diesem Thema werfen und mit Aspekten der individuellen Förderung verknüpfen. Für uns heißt das auch, dass wir die Fachberatung im Primarbereich ausbauen und stärken wollen und bei Bedarf zusätzliche personelle Ressourcen für Unterrichts- und Schulentwicklung beim Ministerium – wir haben dazu auch in der Haushaltsberatung entsprechende Anträge verfasst – und bei den Schulämtern zur Verfügung stellen, sodass die Erkenntnisse aus den Fachtagungen und Fachgesprächen und wissenschaftlichen Erhebungen noch besser in die tägliche Arbeit der Primarstufe einfließen können, um damit die Qualität in unseren Grund- und Gemeinschaftsschulen zu sichern und weiterzuentwickeln.

 

Da ich erwarten/befürchten muss, dass nach mir noch Kollege Jankowski spricht, der auch aus Jena ist, will ich mal aus dem Gespräch mit einer Schule – eigentlich mit allen Pädagoginnen und Pädagogen, insbesondere mit der Schulleitung – aus Jena berichten, einer Grundschule, die mich ausdrücklich darum gebeten hat: „Herr Wolf, setzen Sie sich dafür ein, dass das, was wir hier an Methodenkompetenz in den letzten Jahren entwickelt haben, was wir erfolgreich umsetzen mit unseren Kindern, mit unseren Familien, die Eltern ja auch mit, in diesem Bereich, dass das nicht zerstört wird, dass wir keinen weiteren Rückschritt erleiden.“ Darauf werden wir achten. Es geht um die Weiterentwicklung pädagogischer Methoden. Es geht darum, unsere Schulen zu befähigen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns auch immer wieder beauftragen, besser zu werden – diese mit einfließen zu lassen.

 

Deswegen möchte ich in diesem Sinne auch empfehlen, unseren Antrag an den Ausschuss zu überweisen. Wir haben dort schon andere Anträge – das ist schon gesagt worden –, sodass wir uns dort fachlich, inhaltlich über Anhörungen, über eine Diskussion im Ausschuss damit beschäftigen können, damit wir tatsächlich das Beste für unsere Kinder und Jugendlichen und insbesondere für unsere Schulen in der Kompetenz und Schulentwicklung erreichen können. Vielen Dank.

 

(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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